Number26 – ein Testbericht (Update vom 27.01.2016)

Ich möchte euch an dieser Stelle einmal das FinTech “Number26” vorstellen. Ich nutze seit einigen Monaten diesen neuen und für mich auch ziemlich innovativen Bankingdienst, der in erster Linie auf eine App setzt und so seinen Fokus deutlich von anderen Banken abhebt. Aber was ist Number26 denn nun genau? Eigentlich ist es nur ein Frontend für ein normales Girokonto der Wirecard Bank. Diese stellt alle Bankingfunktionen und als deutsche Vollbank auch die übliche Einlagensicherung. Number26 stellt die Webseite und die App, über die man Einsicht auf das Konto erhält und in der man alle Bankingfunktionen, wie Überweisungen, Daueraufträge und Einzahlungen, durchführen kann.

Warum?

Warum habe ich mir ein Konto bei Number26 zugelegt? In erster Linie weil ich gerne neue Dinge ausprobiere und eine Bank, die nur auf eine App als Verwaltungsportal setzt, kannte ich bisher nicht. Aber das alleine reichte natürlich nicht, allerdings versprach Number26 drei Dinge, die für mich besonders interessant, wenn nicht sogar Killerfeatures waren: Überweisungen ohne TAN, Moneybeam (Echtzeitüberweisungen – zumindest an andere Number26 Kunden) und die Anmeldung ohne Post-Ident mittels Videotelefonie. Und das alles natürlich ohne Gebühren.

Und? Klappts?

Was soll ich sagen? Die angepriesenen Funktionen haben alle genauso funktioniert, wie versprochen. Ich habe nach etwa 2 oder 3 Monaten Wartezeit eine Einladung erhalten und konnte mich anschließend registrieren. Anschließend ging es weiter mit der eindeutigen Identifizierung per Video. Dies hat tatsächlich über das Smartphone nur etwa 10 Minuten gedauert. Weitere 10 Minuten hatte ich zuvor am PC verplempert, weil ich dachte, dass es über meine PC Webcam besser funktioniert. Leider hatte diese keinen Autofocus und so konnte sie einfach nicht auf meinen Ausweis scharf stellen… Der zweite Versuch über das Smartphone hat dann wunderbar geklappt. Bei dem Vorgang werden Fotos von dem eigenen Gesicht gemacht und von beiden Seiten des Ausweises. Weiterhin werden die sichtbaren Sicherheitsmerkmale des Ausweises identifiziert.

Die Überweisungen ohne TAN funktionieren prima. Empfänger und Betrag eingeben, mit PIN bestätigen und anschließend in der App freigeben. Wenn die Überweisung im Browser initiiert wird, muss trotzdem in der App freigegeben werden. Klappt alles wunderbar. Manchmal braucht das Geld etwas länger zum Number26 Konto oder davon weg, als ich es von anderen Banken gewöhnt bin, aber damit kann ich gut leben.

Die ersten Moneybeam Tests konnte ich natürlich nur zu Freunden machen, die selbst kein Number26 haben, da ich hier zuerst allein auf weiter Flur stand (inzwischen habe ich einige Freunde überzeugt 🙂 ) – aber auch hier funktioniert es prima. Empfänger aus dem Adressbuch auswählen – Freunde mit Number26 Konto werden extra gekennzeichnet – dann Betrag eingeben und einen kurzen Infotext und nach der PIN und der Freigabe erhält der Empfänger das Geld oder wenn er kein Number26 Kunde ist eine Mail/SMS mit einem Link zu einer Seite, wo er seine Bankdaten eingeben muss. Alles schnell und einfach und schon mehrfach erprobt. Der Vorteil gegenüber Paypal? Keine Gebühren und das Geld steht – zumindest, wenn beide bei Number26 sind, sofort wieder zur Verfügung und kann z.B. mit der Master oder Maestro Karte ausgegeben werden. Also super, um schnell mal das Geld fürs Kino rüber zu schicken.

Noch mehr?

Nun stellt sich sich Frage, wo geht die Reise hin mit Number26. Ich bin seit Mai 2015 Kunde bei Number26 und seit dem hat sich wirklich viel getan. Die App und die Webseite wurden mehrfach überarbeitet und dabei auch immer besser bedienbar – Fehler werden in der Regel schnell behoben und mit dem live-Chat auf der Webseite steht eine wirklich schnelle und unkomplizierte Methode zur Kommunikation bereit. Telefon und E-Mail sind aber natürlich auch möglich. Die aber wirklich tollste Entwicklung der letzten Monate ist die verfügbare Maestro Card, die das Bezahlen doch deutlich verbessert, da die zuvor verfügbare Master Card ja oft nicht angenommen wird. Ich will nicht verschweigen, dass es auch mit der Maestro Card sicher viele Orte gibt, an denen man nicht zahlen kann – zum Beispiel der Mensaautomat des Studentenwerks Schleswig Holsteins , hier in Lübeck, funktioniert nur mit deutschen Girocards, aber die Hürden wurden trotzdem niedriger und ich konnte schon wirklich deutlich häufiger damit bezahlen.

Aber das wirklich beste Feature ist CASH26. Diese Funktion ermöglicht zusammen mit Barzahlen.de die Funktion, dass in vielen Geschäften Bargeld ein- und ausgezahlt werden kann. Einfach in der App einen Betrag zum Ein- oder Auszahlen festlegen, an der Kasse den Barcode scannen oder die Nummer abtippen lassen (meine Wahl) und schon wird das Geld ein- oder ausgezahlt. Manchmal hapert es hier noch bei den Geschäften, aber mein Penny vor Ort hat sich schon daran gewöhnt 🙂 . Da ich als Kunde der DiBa ansonsten keine Möglichkeit habe Bargeld einzuzahlen, ist das für mich zurzeit wirklich ein Killerfeature auf das ich nur gewartet habe, ohne es vorher zu wissen. Ach ja, und Gebühren fallen dafür natürlich nicht an, genau, wie für die beiden Karten.

Sonst keine Probleme?

Eigentlich kann ich von mir nur wenig negatives berichten, dass mir nicht gefällt, wenn man mal davon absieht, dass man eben mit der Master Card und der Maestro Card nicht überall zahlen kann. Es wird zwar immer besser, aber darauf verlassen würde ich mich nicht. Auch bietet Number26 noch lange nicht alle Funktionen, die ich benötige. Dazu zählen z.B. Gemeinschaftskonten, Tagesgeldkonten oder auch nur das Verwenden von mehr als einem Endgerät. Bei einem Freund und Kollegen, der seit einiger Zeit auch bei Number26 ist, traten jedoch einige Probleme mit der App auf. Er nutzt ein Oneplus One und kann mit seiner gewählten Tastaturapp (Minuum) nicht in Number26 schreiben und Moneybeam Überweisungen an mich klappen einfach nicht. Der Support arbeitet bereits daran, leider benötigt Number26 diese Tage immer etwas länger, da sie ebenfalls im Dezember letzen Jahres in vielen weiteren Ländern Europas gestartet sind und so sicher einen großen Kundenansturm zu verzeichnen haben. Dies führt zusammen mit der ebenfalls im Dezember eingeführten Maestro Card zu erheblichen Wartezeiten beim Support. Wir freuen uns natürlich über den Erfolgt, hoffen aber auf baldige Besserung in diesem Bereich.

Was gibt es sonst noch?

Ich habe bereits viele Funktionen und Eigenheiten von Number26 beschrieben. Ein bisschen mehr gibt es aber doch noch. Die App versucht Ein- und Auszahlungen automatisch zu Kategorisieren und so für ein bisschen mehr Übersicht zu sorgen. Außerdem lassen sich Fotos und Memos zu einzelnen Transaktionen speichern. Dazu gibt es Monatsübersichten bei denen man einfach erfährt, wofür man sein ganzes Geld ausgegeben hat.

Besonders nett und seit dem letzten Update möglich ist die Funktion die Limits der Karten direkt in der App einzustellen. Hierbei wird zwischen einem Zahlungslimit und einem Abhebelimit unterschieden. Bereits zuvor konnte man seine Karte direkt in der App sperren und wieder freischalten – hier konnte man sogar unterscheiden, ob man lediglich das Geld abheben verhindern möchte oder nur Auslandszahlungen oder Online-Zahlungen einschränken will.

Weiterhin kann man inzwischen auch ohne Anruf bei Number26 sein Smartphone neuverknüpfen, was bei einer Neuinstallation oder einem Wechsel notwendig ist. Menschen die regelmäßig ihr Handy flashen, wird das sicher freuen – reduziert es doch den Aufwand erheblich.

Fazit

Was bekomme ich für diesen Artikel? Schnelle Antwort: Nichts. Ich wurde nur von einigen Leuten gefragt, wie meine Erfahrungen mit Number26 sind und ich dachte ich schreibe sie einfach mal auf. Ich selbst nutze es nicht als Hauptkonto, aber als Konto mit dem ich täglich “arbeite”. Ich überweise mir also mein eigenes “Taschengeld” darauf und verwende es, wo ich nur kann. Damit bin ich sehr zufrieden und würde es wirklich jedem empfehlen, der auf der Suche ist. Als Hauptkonto würden mir zurzeit noch einige Funktionen fehlen, aber bei dem Entwicklungstempo wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch diese entwickelt und eingebaut sind. Gerade für junge und experimentierfreudige Menschen, die einen Großteil ihres Lebens im Netz verbringen, ist Number26 sicher ein kleiner – nicht mehr ganz so geheimer- Geheimtipp. Ich hoffe, ich konnte ein paar meiner Erfahrungen weitertragen  und freue mich auf eure Fragen oder Anregungen in den Kommentaren 🙂

UPDATE 27.01.2016

Inzwischen konnten wir die Fehler, die bei einem Moneybeam mit einem Freund auftraten, beheben. Sie gehen auf die leider etwas rudimentäre Kontakteverwaltung innerhalb der App zurück. Wer also sehr umfangreiche Adressbücher mit zahlreichen E-Mailadressen zu Kontakten vorhält, sollte etwas vorsichtig sein und gut lesen, an wen oder genauer – an welche E-Maildresse – der Moneybeam geht. Desweiteren muss ich leider sagen, dass inzwischen auch in Lübeck die Sparkasse zusätzliche Gebühren am Geldautomaten erhebt. Das ist wirklich schade und ich hoffe, dass es hier in Zukunft auch eine Lösung gibt.

Lübecker,Geek, Student und hauptberuflich IT Betreuer an der FH Lübeck. Hier blogge ich über Technik, Hobbys und was mir sonst so passiert. Folgt mir doch auf Twitter, Google+ oder Facebook 🙂